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1965 – 1990

1986–1990
Mitglied des Redaktionsteams der Konstanzer Stadtzeitung „Nebelhorn“ und des Nachfolgemagazins „Neues Nebelhorn“.

1984-1989
Beruflicher Werdegang und Ausbildung: Kaufmännisches Berufskolleg, Ausbildung (IHK) zum Bürokaufmann, Zivildienst bei der Arbeiterwohlfahrt Konstanz.

1984–1991
Organisator und Teilnehmer zahlreicher Initiativen und Demonstrationen gegen Aufrüstung und Kriege, Neonazis und atomare Bauprojekte sowie von Schülerstreiks und Hausbesetzungen. Bis heute jedoch niemals Mitglied einer politischen Partei.

1983–1987
Aktiv als Jugend- und Schülervertreter u. a. als Schülersprecher der Wessenberg-Schule Konstanz, Mitglied des Konstanzer Schülerparlamentes, des Landesschulbeirates Baden-Württemberg und als Landesdelegierter in der Bundesschülervertretung.

1980–1981
Nach Erhalt einer elektronischen Schreibmaschine zum 15-jährigen Geburtstag erste eigenständig verfasste Texte. „Herausgeber und Redakteur“ einer durch Pauspapier vervielfältigten Familienzeitung („Hauskurier“, Auflage 5 Stück). Passiver und aktiver Widerstand gegen Zensurversuche durch die Familienobrigkeiten.

1965–1979
Rebellische Kindheit mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsempfinden und einsamen Streifzügen durch die Natur. Getragen von Glücksmomenten beispielsweise mit dem Rücken in einer Wiese liegend und dem minutenlangen Anblick von ziehenden und sich verformenden Wolken vor Himmelblau.

Kurzgeschichte Kindheit:

„Ich trat immer schneller in die Pedale meines orangenen Bonanzarads. Der falsche Fuchsschwanz am Hochlenker zappelte. Mein Schleichweg verengte sich in wenigen Metern. Die ersten Grundstücke der Siedlung schossen am Ende des Gebüsches schon an mir vorbei. Zwischen den Maschendrahtzäunen links und rechts ein guter Meter Platz. Die Brennnesseln waren zu dieser Jahreszeit schon hoch gewachsen und ich trug eine kurze glänzende Fußballhose. Ich sah nach unten. Meine Knie hämmerten nun wie die Kolben meiner Dampfmaschine, wenn ich statt einem zwei Spiritusstückchen in die Öffnung unter dem Kessel schob. Das sei unglaublich gefährlich und es sei streng verboten mehr als ein Stück zum Heizen einzulegen. So die Beschwörung meines Vaters und meiner Mutter im Kerzenschein des Weihnachtsbaumes, noch bevor ich den Karton unter dem Papier mit goldenen Sternen zu fassen bekam und mit einem Ruck aufriss.
Die Kette unter mir zitterte als sie über das Zahnrad flog. Jetzt ries ich wie dutzende Male zuvor die Beine nach oben und warf sie auf die vordere Stange des Rads. Die Hände am Hochlenker vibrierten. Brennnesseln schlugen gegen Speichen und Rahmen. Es roch nach verbrannten Gartenabfällen und Sommer. Ein lauer Fahrtwind fegte mir durch mein schulterlanges Haar. Vom Zirkuszelt am Ende der Siedlung trug der Wind einige Klänge der Manegenmusik zu mir. Ich genoss meine Fahrt durch den Hohlweg heimischer Kleinbürgerlichkeit.
Konzentriert bereitete ich mich auf die Einfahrt in den Feldweg vor. Das Kleppern meines Rades versetzte die Hühner schon lange bevor ich um die Ecke schoss in ein panisches Durcheinander, der Hahn stelzte mit gestelltem Kamm. Durch die Blätter der Obstbäume funkelte die Sonne wie Blitzlichtgewitter von einer Tribüne. In den letzten zwei 90-Grad Kurven auf dem Feldweg vor unserer Hofeinfahrt war ich Sportreporter und Niki Lauda in einer Person. Ich kommentierte laut wie ich in der letzten Kurve Emerson Fittipaldi in seinem McLaren-Ford in der Innenkurve angriff. Die Hühner gackerten den Jubel, der Hahn sprang vor Begeisterung auf. Beim gewagten Überholmanöver kam ich kurz auf das Bankett der Rennstrecke und einige Brennnessel erwischten mich am rechten Bein. Egal, ich hatte das Rennen gewonnen und lehnte mein Rad mit dem Hochlenker an die Hauswand im Hof. Auf dem Weg zur Haustüre gab ich einige Autogramme und bemühte mich um ein erstes Interview mit mir. Den rechten Unterschenkel rötete ein Ausschlag und es begann zu jucken. Ich unterdrückte die Tränen und schritt die Stufen hinauf zur Siegerehrung. Von Weitem gackerte es noch immer und der Hahn krähte aus der Mitte der tobenden Menge. Es war eine kleine Welt und ich seit eben ein Weltmeister.“

© 2020 esPRESSo — juergen weber

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