In diesen Tagen jährt sich die Premiere des Dokumentarfilms „Das zweite Trauma – das ungesühnte Massaker von Sant´Anna di Stazzema“. Der Autorenfilm des Konstanzer Regisseurs Jürgen Weber feierte am 20. November 2016 im vollbesetzten Arthaus Kinocenter in Stuttgart Premiere.

Die Produzentin Katrin Brüggemann und Regisseur Jürgen Weber ziehen vor Ablauf  der Jahresfrist der Erstaufführung eine überaus positive Bilanz: Rund 2150 Zuseherinnen und Zuseher haben den Dokumentarfilm in Kommunalen und Programmkinos sowie bei Veranstaltungen in Deutschland, Österreich und Italien gesehen. Zu 17 Filmaufführungen war der Regisseur Jürgen Weber eingeladen. Die erste deutschsprachige DVD-Auflage von 500 Stück war bereits im Frühjahr 2017 vergriffen und eine zweite Edition ist im Handel. Die italienische Filmversion „Il secondo trauma“ hatte am 26. April 2017 in Sant´Anna di Stazzema Premiere und kurz darauf in der Toskana Kinostart.

Unter dem Titel „Deutsche Besatzung in Italien – am Beispiel von Sant´Anna di Stazzema“ veröffentlichte die Bildungsmarke didactmedia® zu Schuljahresbeginn im September 2017 eine didaktische Medienbox, die neben den bilingualen Dokumentarfilmen auch Filmsequenzen für den Schulunterricht und ergänzende Unterrichtsmaterialien enthält. Sie ist über die Struktur der öffentlichen und kirchlichen Medienzentren im deutschsprachigen Raum erhältlich.

So lief der Dokumentarfilm beispielsweise im Oktober 2017 im Rahmen einer Schulveranstaltung der Jugendfreizeitstätte Aplerbeck im Schulzentrum am Gymnasium an Schweizer Allee in Dortmund vor rund 110 Schülerinnen und Schülern. Pädagoginnen und Pädagogen haben das Thema mit den Jugendlichen im Geschichtsunterricht vor- und nachbereitet.

Der Dokumentarfilm erhielt gute Kritiken: Exemplarisch sei vom Filmgespräch am 24. Oktober 2017 berichtet. „Dokumentarfilm & Gespräch“ ist ein Format des naxos.Kino Frankfurt am Main. Der Historiker Professor Christoph Cornelißen, (Neueste Geschichte Goethe-Uni, Frankfurt am Main) lobte „das zweite Trauma“ für seine unaufgeregte Sachlichkeit zu einem sehr emotionsreichen Thema.

Kinomacherin Hilde Richter vom naxos.Kino (Hessischer Kulturpreis 2017) unterstrich die gelungene Regiearbeit. Der Film hebe sich vor allem dadurch hervor, dass die Geschichte von Massaker und juristischer Aufarbeitung ganz sensibel und nah an den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, den überlebenden Kindern des Massakers von Sant´Anna di Stazzema, erzählt werde.

Zum einzigen negativen Zwischenfall kam es am 28. Mai 2017 als im Hamburger Metropolis Kino Neonazis den Film durch laute Kommentare störten und in der anschließenden Diskussion „die Ehre des Deutschen Soldaten“ beschmutzt sahen. Jürgen Weber erwiderte, dass einzig die Kriegsverbrecher und Mörder an wehrlosen Zivilisten, überwiegend Frauen und Kindern, Schuld auf sich geladen hätten und dafür verantwortlich seien, dass Völker- und Menschenrechte mit Füßen getreten wurden. Das seien keine Helden, sondern feige Verbrecher gewesen, so Weber. Sie hätten die Menschlichkeit beschmutzt.

„Il secondo trauma“ soll auch in der Toskana weiter aufgeführt werden. Das nächste Mal bereits am 30. November 2017 im Museo della Deportazione e Resistenza in Figline di Prato.

Ein weiterer Höhepunkt wird dem Dokumentarfilm noch vor Ablauf der Jahresfrist seit Veröffentlichung am kommenden Wochenende in Moers zu Teil. Auf Einladung der Stadt Moers und „sci.moers“ (Gesellschaft für Einrichtungen und Betriebe sozialer Arbeit) findet am 18. November eine Aufführung im Atlantic-Kinocenter statt. Um 17 Uhr wird es in der Musikschule zum Filmgespräch mit „dem Zeitzeugen Enrico Pieri, Historikern, Juristen und anderen Vertretern aus Deutschland, zu den Schwierigkeiten im Nachkriegsdeutschland, Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus vor Gericht zu bringen, eventuell in Zusammenarbeit mit den Machern der Wehrmachtsausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung und mit dem Filmemacher Jürgen Weber“ kommen, so die Veranstalter.

Pressemitteilung, 16. November 2017, Querwege® 

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