…mal Poesie – mal Revolte

… ist nur oberflächlich gegensätzlich. Für mich sind es Teile meines Ganzen. Unrecht nicht hinzunehmen und die Liebe zum Menschen nicht verloren geben. Ganz zu leben mit Ruhe und Kraft. So zieht es sich auch durch diese Seiten, meinen Blog, durch mein Werk und durch mein ganzes Schaffen, Sein und Leben.

Als individueller Mensch in einer Welt. Offen. Interessiert am Menschen. Den oder die andere sich Sein zu lassen. Selbst mit allen Stärken und Schwächen sein zu dürfen.

Mit Stift als Schreibender und mit Linse als Filmemachender. Mal weit oben allein auf dem Berg. Mal mit anderen lachend um einen Tisch. Mal im Sand vor ewigem Rauschen. Mal im Augenblick vereint. Mal trommelnd auf der Straße, mal begeistert an den Lippen. Mal laut, mal leise. Mal Poesie, mal Revolte.

Von beidem finden Sie immer wieder Splitter in meinem Blog oder zwischen den Zeilen…
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.Wintermorgen

Kenne meine Wege nicht…

Ich kenne meine Wege noch nicht, ich kenne die Namen der Menschen nicht, die mir begegnen werden. Ich kenne nicht die Orte in denen ich ankommen, die Tische an die ich mich setzen und die Lager in denen ich mich niederlegen werde. Ich kenne nicht die Gipfel der Berge, auf die ich gehen, die Wasser, in denen ich baden und den Staub der Flughäfen auf denen ich landen werde. Und ich kenne die Landschaften – Natur, Menschen, die Spielarten der Elemente – nicht, die mich noch begeistern und beglücken werden. Nicht die Zeilen die ich noch schreiben und die Dinge die ich schaffen werde.

Ich kenne den Ort nicht, zu dem ich einmal >Zuhause< sagen werde. Ich kenne die Zweifel, Ängste und die Schmerzen nicht, die da kommen mögen. Ich kenne die Freuden, das Lachen und die Glücksmomente nicht, die ich auf der Stelle genießen werde. Ich kenne nur den Weg immer wieder zurück zu mir und die Offenheit und das Vertrauen um dies alles wahr zu machen und zu erfahren.

Ich kenne nur diesen, meinen Weg.

Jürgen Weber, Ronco sopra Ascona, 31. Dezember 2008
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Hunderttausend Schritte

Hunderttausend Schritte die Bomben hinter sich gelassen
durch Wüstensand, durch die Brandung, über Stacheldraht.

Hunderttausend Hoffnungen hinter sich gelassen
geraubt in kalten Nächten, in Europas Blicken, im Ankommen ohne Bleiben.

Hunderttausend Seelen unterm Kreuz,
getragen durch Grenzanlagen, durch Uniformen mit verschränkten Armen, durch Registrierkolonen.

Tausende Meinungsmacher vor und hinter den Kameras,
Tausende Gewaltengeber und Gewaltenausführer vor und hinter den Gesetzen,

Tausende von Zahnrädern vor und hinter den anderen,
waschen sich die Hände in Unschuld.

Hundertausende noch auf dem Weg.
Stecken zwischen den Zäunen.

Fast verloren.
Sterbend das Empfinden.

Gesichter in all der Kälte erstarrt.
Aus mir fließen ihre Tränen.

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Jürgen Weber, 5. Dezember 2015