Nervi passt so gar nicht ins Bild der umtriebigen Hafenstadt Genua. Der östlichste Stadtteil der Metropole an der ligurischen Küste hat sich seinen alten Charme des Fischerdörfchens erhalten. Die Bahnstation von Nervi ist Ausgangspunkt um Genua und die Orte an der Riviera di Levante sowie Cinque Terre bequem zu erreichen.

Während in den Sommermonaten Nervi als ein kleiner Badeort und durch Konzerte, Filmveranstaltungen und das Internationale Festival des Balletts voller Leben ist, geht es im Winter beschaulicher zu. Wie in seinen besten Zeiten flanieren die Menschen von Dezember bis März auf der Passeggiata Anita Garibaldi in der wärmenden Wintersonne dem Frühling entgegen.

Der Spazierweg führt vom kleinen Hafenbecken an der Steilküste entlang bis zu den Parkanlagen und zur Galleria di Arte Moderna und zur Sammlung Frugone. Dort erhält man auch einen Eindruck vom damaligen Leben in den zahlreichen Villen und Gärten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

In der traditionellen Villa Bonero findet sich heute der ganze Charme des romantischen Verfalls. Beim Espresso lerne ich eine Dame um die 90 kennen. Schick herausgeputzt wie in den 1960er Jahren. Seither verbringt sie Jahr für Jahr die Wintermonate hier. Wie einst so viele reiche Milanesi im milden Klima am Ligurischen Meer. Sie hebt ihre Tasse leicht an und nickt freundlich, ich erwidere den Gruß und schließe die Augen. Im Duft des Espresso erwacht die Villa Benero in mir nochmals zu längst vergangenem Leben.

Text und Fotos © Jürgen Weber,
Querwege® für TV3

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